Beginnen wir mit einem letzten Wunsch. Ieyasus Anweisungen, festgehalten im Tagebuch seines Beraters Konchiin Sūden, sahen vor, dass sein Leichnam auf dem Kunōzan beigesetzt werde. Nach Ablauf des ersten Todestages sollte in Nikkō eine kleine Halle errichtet werden, in der er als Gottheit verehrt würde. Sein erklärtes Ziel war es, der Schutzgeist der acht Provinzen der Kantō-Region zu werden, und diese Vorstellung wird meist als Versprechen verstanden, den Frieden des ganzen Landes zu bewahren. Nikkō war keine zufällige Wahl. Der Berg war laut dem Tempel Rinnō-ji nebenan im Jahr 766 vom Mönch Shōdō als heiliger Ort erschlossen worden. Im Lauf der Jahrhunderte wurde er zu einem verehrten religiösen Zentrum Ostjapans, und der erste Kamakura-Shōgun, Minamoto no Yoritomo, stiftete ihm Gaben. Historiker deuten die Entscheidung der Tokugawa, hier zu bauen, als Rückgriff auf diese lang bestehende geistliche Autorität. Es gibt zudem eine poetische Überlieferung. Ieyasu soll beabsichtigt haben, das Reich der Tokugawa vom unbeweglichen Polarstern aus zu bewachen. Heutige Bewunderer weisen außerdem darauf hin, dass der Schrein genau nördlich der Burg Edo liegt, sodass Schrein und Hauptstadt des Shōgunats auf einer gemeinsamen Achse zu liegen scheinen.