Die Prager Burg ist kein einzelnes Gebäude, sondern eine kleine Stadt auf dem Hügel über der Moldau: mehrere Höfe, der alte Königspalast, die Gärten, die Goldene Gasse – und in der Mitte der St.-Veits-Dom, der größte und bedeutendste Dom Prags. Hier fanden die Krönungen böhmischer Könige und Königinnen statt, und hier ruhen die sterblichen Überreste der heiligen Patrone des Landes. Schon der Anblick von der Brücke aus erklärt, warum Böhmen jahrhundertelang von diesem Felsen aus regiert wurde.
Die Baugeschichte ist ein Crashkurs in europäischer Architektur: Rund um das Jahr 925 ließ Fürst Wenzel an dieser Stelle eine vorromanische Rotunde errichten, die nach 1060 durch eine dreischiffige Basilika mit zwei Türmen ersetzt wurde. Mit der Gründung des Prager Bistums im Jahr 973 und des St.-Veits-Kapitels wuchs die Bedeutung der Kirche; ab 1344 errichteten die Baumeister des gotischen Doms – Matthias von Arras und später Peter Parler – den Chor mit dem Kapellenkranz, die St.-Wenzels-Kapelle, das Goldene Tor und den unteren Teil des Großen Südturms, den Parler begann, aber nicht mehr vollendete. Fertiggebaut wurde der Dom erst in neugotischem Stil und 1929 feierlich geweiht.
Besucher betreten den Dom durch das Portal an der Westfront, gegenüber dem Durchgang zwischen dem II. und III. Burghof. Im Chor vor dem Hauptaltar steht das königliche Mausoleum, darunter liegt im Untergrund die königliche Gruft; den Chor umgibt ein Kranz von Kapellen, in denen Herrscher und die heiligen Patrone der böhmischen Länder beerdigt liegen. Das Kultzentrum ist die St.-Wenzels-Kapelle. Nehmt euch zum Schluss Zeit für die Goldene Gasse, wo Franz Kafka in der Nummer 22 schrieb – für euch als Kunst- und Literaturfreunde ist das der Moment, in dem aus Besichtigung eine Geschichte wird.
Hinweise
Plant den Dom als ersten Programmpunkt des Vormittags, dann seid ihr vor den großen Gruppen im Schiff. Für die Innenräume braucht ihr das Ticket für den Hauptrundgang (Dom, Alter Königspalast, St.-Georgs-Basilika, Goldene Gasse); die Höfe selbst sind frei zugänglich, aber es gibt Sicherheitskontrollen – Taschen also klein halten. Der Anstieg über die Nerudova dauert rund 20 bis 25 Minuten.