Delphi liegt auf einer Terrasse am Hang des Parnassos, hoch über dem Olivenmeer des Pleistos-Tals, und genau diese Lage erklärt die ganze Geschichte: Hier, so glaubten die Griechen, trafen sich Himmel und Erde – der Omphalos, der Nabel der Welt, stand in der Mitte des Heiligtums. Im Innersten des Apollon-Tempels saß die Pythia, die Priesterin des Gottes, und gab jene doppeldeutigen Antworten, die Könige, Städte und ganze Feldzüge in Bewegung setzten. Krösus begann einen Krieg gegen Persien, weil das Orakel ihm sagte, er werde ein großes Reich zerstören – es war sein eigenes.
Der Weg führt über die Heilige Straße bergauf, vorbei an den Schatzhäusern der Städte, die mit ihren Weihgeschenken Rang und Reichtum demonstrierten. Das Schatzhaus der Athener ist teilweise wiederaufgebaut, und auf seinen Steinplatten stehen die delphischen Hymnen an Apollon – Notenschrift aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus und damit eine der ältesten erhaltenen europäischen Musikaufzeichnungen. Dann der Apollon-Tempel selbst, dessen Säulen im Vormittagslicht wie Honig leuchten, darüber das Theater mit seinen fünftausend Plätzen und, nach kurzem Anstieg, das Stadion, in dem die Pythischen Spiele ausgetragen wurden – Athletik und Musikwettbewerb, lange bevor Rom seine Arenen baute.
Unten an der Straße, noch vor dem Haupteingang, liegt das zweite Heiligtum: Athena Pronaia mit dem Tholos, einem Rundbau, dessen Säulen zu den meistfotografierten Ruinen Griechenlands gehören. Nehmt Euch die Zeit – Delphi belohnt Langsamkeit.
Hinweise
Der Boden ist uneben, die Sonne am Hang ungebrochen: Hut, Wasser, feste Schuhe. Der Tholos steht an der unteren Straßenschleife, ein paar Gehminuten vor dem Haupteingang – dort starten, wer dem Andrang ausweichen will.