Eines der auffälligsten Wahrzeichen, das Sie hier sehen können, ist der gewaltige Portikus der Octavia. Erbaut von Kaiser Augustus für seine Schwester, war dieser majestätische Säulengang im antiken Rom einst ein prächtiger Komplex mit Tempeln und einer Bibliothek. Doch im Mittelalter wandelte sich seine Funktion radikal: Er wurde zum „Forum Piscium“, dem zentralen Fischmarkt der Stadt. Wenn Sie genau hinschauen, entdecken Sie an der Seite des großen Bogens eine lateinische Inschrift. Sie besagt, dass jeder Fisch, der länger war als eine bestimmte Marmorplatte, den Stadtbeamten als Steuer übergeben werden musste – genauer gesagt, der Kopf bis zur ersten Flosse. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Kirche Sant'Angelo in Pescheria direkt in die Ruinen des Portikus hineingebaut wurde. Diese Schichtungen der Architektur sind typisch für das Ghetto: Nichts verschwindet ganz, alles wird wieder verwendet und neu gedeutet. Ein kleiner praktischer Tipp: Achten Sie beim Gehen auf die Stolpersteine im Pflaster – kleine Messingplatten, die an die Opfer der nationalsozialistischen Deportation vom sechzehnten Oktober 1943 erinnern.