Um zu verstehen, warum Prenzlauer Berg so aussieht, wie er heute aussieht, müssen wir in das Jahr 1862 zurückgehen. In diesem Jahr trat der sogenannte Hobrecht-Plan in Kraft, benannt nach dem Stadtplaner James Hobrecht. Berlin platzte damals aus allen Nähten, und der Plan sah ein riesiges Raster aus Straßen und Plätzen vor, um die wachsende Arbeiterbevölkerung unterzubringen. Daraus entstanden die berühmten Berliner Mietskasernen. Das Prinzip war die sogenannte Berliner Mischung: Vorne im Vorderhaus wohnte das Bürgertum in herrschaftlichen Wohnungen, während in den Hinterhöfen die Arbeiterfamilien oft unter prekären Bedingungen in engen, dunklen Zimmern lebten. Einige dieser Blöcke sind gigantisch; an der Prenzlauer Allee existiert ein Block, der sage und schreibe 30 Hinterhöfe miteinander verbindet. Heute sind diese einstigen Arbeiterviertel durchsanierte Wohnträume, aber die Architektur erzählt noch immer von der strikten sozialen Trennung der Kaiserzeit. Ein kleiner Tipp: Achte bei deinem Spaziergang auf die prunkvollen Stuckfassaden – sie waren damals oft nur eine billige Verkleidung aus Gips, um den Wohlstand des Viertels nach außen hin zu präsentieren.