Kaum ein Bauwerk erzählt die Geschichte Portugals so kompakt wie dieses: König Manuel I. ließ das Hieronymitenkloster zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichten, finanziert aus dem Gewürzhandel mit Indien – ein Teil des Pfefferzolls floss direkt in die Baukasse. Was dabei entstand, ist der Inbegriff der Manuelinik, des einzigen wirklich eigenen Baustils Portugals: gotische Struktur, überzogen mit einer Ornamentik aus Seefahrt, Glaube und Macht – Taue, Anker, Armillarsphären, Artischocken, Seepflanzen, alles in hellen Kalkstein gemeißelt.
Der Kreuzgang ist das Herzstück: zwei Stockwerke voller filigraner Steinmetzarbeit, in denen Sie sich verlieren können, dazu die Kirche mit dem Grabmal Vasco da Gamas. Dass das Kloster überhaupt noch steht, verdankt sich einem Zufall der Geschichte: Nach der liberalen Revolution von 1820 mussten alle Klöster in Portugal schließen, 1834 traf es auch die Jerónimos – die Mönche zogen aus, das Gebäude blieb.
Für Ihre Liebe zur Manuelinik ist dieser Vormittag der Höhepunkt der Reise. Buchen Sie ein Zeitfenster online; die Warteschlange vor dem Portal wächst im Lauf des Vormittags, mit dem ersten Zeitfenster gehen Sie entspannt durch und haben den Kreuzgang fast für sich.
Hinweise
Gehen Sie zuerst in den Kreuzgang, dann in die Kirche. Ein Regenschauer ist hier kein Drama, im Gegenteil: Der helle Kalkstein bekommt bei Nässe eine warme, honigfarbene Tönung, die Fotografen lieben.