Um zu verstehen, warum Bryggen so aussieht, wie es heute aussieht, müssen wir zurück in das vierzehnte Jahrhundert reisen. Damals errichtete die mächtige Hanse, ein europäischer Bund deutscher Kaufleute, hier eines ihrer vier großen Auslandskontore. Dieses Kontor in Bergen wurde im Jahr 1360 gegründet. Stellen Sie sich vor, wie die Schiffe, die sogenannten Hansekoggen, hier anlegten. Sie brachten Getreide, Mehl, Bier und Malz aus dem Ostseeraum und nahmen Tonnen über Tonnen von Stockfisch, also getrocknetem Kabeljau, aus dem Norden Norwegens mit zurück. Die Hanseaten hatten fast 400 Jahre lang ein Monopol auf diesen lukrativen Handel. In Bryggen lebten daraufhin ausschließlich Männer – junge deutsche Lehrlinge und Kaufleute, die einen strengen Ehrenkodex befolgten und denen der Kontakt zu den einheimischen Frauen untersagt war. Es war eine eigene Stadt innerhalb der Stadt, geprägt von harter Arbeit, strengem Glauben und dem Geruch von Millionen Fischen.